Vor gut 25 Jahren versuchte ich, beeindruckt von dem Anblick der HMS VICTORY unter vollen Segeln, das Schiff von einem Gemälderepro abzumalen. Diese Versuche standen am Anfang meiner Entwicklung zum Marinemaler und die VICTORY, Nelson und Trafalgar am Anfang einer nie nachlassenden Faszination für Schiffe und Seefahrt. Es liegt daher auf der Hand wie wichtig es daher für mich war dieses Schiff einmal im Original zu sehen und zu betreten. Leider war dieser Traum in DDR-Zeiten pure Utopie und musste später hinter anderem zurücktreten. Nun im Sommer 2005 ergab sich die Gelegenheit, einer Einladung der Deutschen Marine folgend, deren Paradeverband als Marinemaler zu begleiten. Am 25. Juni ging ich auf die Reise nach Portsmouth um auf der SACHSEN einzuschiffen. Die VICTORY zeigte sich in bestem Zustand dem man ihr Alter von 240 Jahren in keinster Weise ansah.
Trafalgar 200 - unter diesem Motto finden bis zum Oktober 2005 in ganz Großbritannien zahlreiche Veranstaltungen statt die dem Sieg der Britischen Flotte gegen jene der Franzosen und Spanier vor dem Kap Trafalgar am 21. Oktober 1805 gedenken. Unlösbar verbunden mit diesem historischen Ereignis von enormer Wichtigkeit für die britische Geschichte, ist' natürlich auch das Schicksal des Viceadmirals Horatio Nelson. Als fähiger Seeoffizier an die Spitze der Flottenführung aufgestiegen, befehligte er in jenen Oktobertagen des Jahres 1805 , 27 Linienschiffe der Royal Navy, denen 33 der verbündeten französisch-spanischen Flotte gegenüber standen. Dank seiner hervorragenden Art der Menschenführung und taktischen Fähigkeiten im Seekrieg, gelang den unterlegenen Briten ein glänzender Sieg. Nelson jedoch starb von einer französischen Musketenkugel verletzt, gegen 16.00 Uhr nachmittags, im Lazarett seines Flaggschiffes VICTORY. Sein Tod in der Stunde größten Triumphes, machte den zu Lebzeiten schon populären Pfarrerssohn, zu einem unsterblichen Seehelden mit internationaler Anerkennung. Sein damaliges Flaggschiff die VICTORY hat alle Unbill der Geschichte überstanden und zeugt heute noch, als letztes der "Wooden Walls", als Museumsschiffin Portsmouth, von einstiger Größe Britanniens zur See.
Es ist daher nur zu verständlich welche Bedeutung dieses Schiff für die britische Geschichte hat. Die VICTORY steht daher auch im Zentrum der Feierlichkeiten zur 200. Wiederkehr des Jahrestages der Trafalgarschlacht. Eines der größten Ereignisse des Jahres zeigte den betagten Veteranen Ende Juni 2005, in Gesellschaft der modernsten Kampftechnik internationalen Marineschiftbaus. Traditionen folgend beging die Royal Navy auch dieses Jubiläum mit einer gewaltigen Flottenschau auf der Reede von Spithead. Ab dem 27. Juni waren daher auf dem Solent, zwischen der Isle of Wright und Gosport / Portsmouth, 168 Schiffe aus 36 Staaten zu einer stehenden Parade vor Anker gegangen. Über mehrere Meilen waren in drei Reihen, die mitunter modernsten Einheiten aus aller Welt vereinigt. Flaggschiff war der britische Flugzeugträger HMS INVINCIDLE. Flankiert von LHA 2 SAIPAN (USA) und den Trägem CHARLES DE GAULLE (F), PRINCIPE DE ASTURIAS (Spanien) und HMS ILLUSTRIOUS (GB). Aber auch neue Landungsschiffe beachtlicher Größe waren zu sehen wie HMS OCEAN, ROTTERDAM (NL) oder einige der HMS ALBION - Klasse. In diesem Areal ebenfalls vor Anker, einige britische und französische Atom-Uboote denen natürlich auch die HMS TRAF ALGAR angehörte. Alle denkbaren Arten gegenwärtiger Kampfschiffe ergänzten die schier unüberschaubare Fülle im Seegebiet. Bemerkenswert darunter vor allem auch die internationale Vielfalt. Allein aus Japan lagen drei Schiffe in Nachbarschaft unserer SACHSEN. Daneben die indische MUMBAI. In Sichtweite zwei Südkoreaner, die australische HMAS ANZAC und DRAKENSBERG aus Kapstadt. Schiffe aus dem Oman, Pakistan, Nigeria, Marocko und
Algerien erweitern die Liste exotischer Namen. Russland hatte mit der ADMIRAL LEVCHENKO einen seiner kampf starken Udaloy-Zerstörer geschickt. Die Anwesenheit aller übrigen NATO-Partner, nahezu aller Ostsee- und Mittelmeeranliegerstaaten ist zu solch einem Anlass Normalität. Die Deutsche Marine war vertreten durch die Fregatte SACHSEN, das Minenjagdboot DILLINGEN und die Segelyacht ASTA. Den äußeren Abschluß der Formation bildeten die Tallschips aus aller Welt, Forschungsschiffe, die QE 11, ein Tanker von BP und zahllose kleinere Segler. Der Höhepunkt der Parade stellte die Abnahme der Formation durch Queen Elisabeth 11 am 28. Juni dar. An Bord des Eisbrechers HMS ENDURANCE hatte man eigens zu diesem Zweck einen Pavillon auf dem Peil deck errichtet von wo aus die Queen zusammen mit Prince Philippe und dem First Sea Lord Admiral Sir Alan West, die erbrachten Ehrerbietungen entgegen nahm. 13.00 Uhr donnerten von der japanische KASHIMA 21 Schuß Salut über den Solent und kurz darauf passierte der Abnahmeverband mit der Queen an Bord die nördliche Gasse zwischen den paradierenden Schiffen von Portsmouth kommend. Angeruhrt wurde der Abnahmeverband von der PA TRICIA (Trinity House Vessel), gefolgt von der HMS ENDURANCE, der Fregatte HMS CHATHAM, dem Versorger HMS SCOTT, dem Landungsschiff HMS SIR BEDIVERE, HMS ENTERPRISE, der Yacht LEANDER und der' GRAND TURK. Ein Nachbau einer historischen Korvette. Neben der Queen waren natürlich auch viele weitere honore Persönlichkeiten an Bord dieser Schiff. Auf HMS SCOTT beispielsweise Prince Charles mit Gattin und der Inspekteur der Deutschen Marine Vizeadmiral Lutz Feld. An Bord der SACHSEN hatte die Besatzung in Paradeformation Aufstellung genommen und brachte der britischen Königin ein dreifaches Hurra aus. Nach Passage der zweiten, südlichen Gasse fand die Parade ihren Abschluß. Interessanterweise nahm in dieser Stunde auch die Sonne vorerst Abschied und mit Bewölkung und Nieseiregen schloß sich auf englische Art der Vorhang nach dem Ereignis.
Am Abend erinnerte auf der Innenreede des Hafens, ein durch Licht und Pyrotechnik gekennzeichnetes Spektakel, an die Seeschlacht von 1805. Von 17 Tallships wurden dabei die damaligen Flotten nachgestellt und von Licht und Feuerwerk das Wüten der Schlacht. Aus diplomatischem Grund verzichtete man aber tunlichst darauf hier Briten gegen Franzosen zu setzen sondern ließ halt eine Blaue gegen eine Rote Flotte agieren. Im Anbetracht des vollkommen anderen Erscheinungsbildes moderner Segelschiffe brauchte es allerdings viel Phantasie um sich in die damalige Szenerie hineinversetzen zu können. Den Abschluß des Tages bildete ein grandioses Feuerwerk vor Portsmouth. Nach Beantwortung durch ein wildes Hupkonzert der Schiffstyphone legte sich Ruhe und Dunkelheit über die von tausenden Lichtem nachgezeichneten Konturen der Schiffe. Das Miterleben einer so grandiosen Flottenschau ist rur die Besatzungen der Schiffe gewiss ein unvergessliches Erlebnis und in dieser Form bestimmt nicht nocheinmal mitzuerleben. Nachdem die letzte vergleichbare Flottenschau 1977 anlässlich des 25-jährigen Thronjubiläums Queen Elisabeth 11 stattfand, war schon die diesjährige von solchen Sicherheitseinschränkungen beeinflusst, daß es fraglich ist, in welchem Umfang soetwas in Zukunft noch machbar ist.
Am 30. Juni lagen die meisten der Schiffe wieder im Hafen von Portsmouth, um bei der bevorstehenden Großveranstaltung übers Wochenende in der Naval Base, rur tausende Besucher offen zu stehen.
Olaf Rahardt
Bilder:
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