Vorwort zum Artikel „Der Krieg gegen Dänemark im Jahre 1864“

Die diesjährige Fahrt der Marinekameradschaft Salzburg Ende Juli nach Norddeutschland stand im Zeichen der für die Österreichische Marine ruhmvollen Ereignisse des Jahres 1864 vor Helgoland. Im Rahmen dieser Reise wurden alle wichtigen Orte besucht, dem damaligen Geschehen gedacht und zum Gedenken an die Opfer am Ehrenmal im Ritzebüttel ein Kranz niedergelegt. Im angeschlossenen Artikel wird der Versuch gemacht, die Zeit damals, die politischen Strömungen der Großmächte und die Machtverhältnisse in Europa darzustellen. Der Krieg gegen Dänemark im Jahre 1864 - Gefecht vor Helgoland – Frieden von Wien – Nachsatz und Vorschau auf das Jahr 1866 (Ansprache vom Kameraden Ing. Herbert REITTER beim Tegetthoffdenkmal in Ritzebüttel-Cuxhaven)

Einleitung

Was hat die österreichische Marine veranlasst, im Jahre 1864 vor Helgoland gegen Dänemark zu kämpfen und welche indirekten Auswirkungen hatte der Ausgang dieses Krieges auf die weitere Entwicklung für Europa.

Politische Verhältnisse 1864

Der unmittelbare Auslöser für die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Dänemark und dem Deutschen Bund lag in den Bestrebungen des neuen dänischen Königs Christian IX, die Herzogtümer Schleswig und Holstein dem dänischen Gesamtstaat einzuverleiben. Damit wurden die Verpflichtungen, welche Dänemark in Bezug auf die besagten Gebiete den beiden deutschen Großmächten Österreich und Preußen gegenüber eingegangen war, verletzt. Das am 16. Jänner 1864 überreichte Ultimatum wurde von Kopenhagen abgelehnt, worauf Österreich und Preußen an Dänemark den Krieg erklärten.

Der Krieg

Österreich und Preußen stellten je ein Armeekorps auf, welches vom preußischen Feldmarschall Wrangel übernommen wurde. Die Gesamtstärke betrug etwa 55.000 Mann. Seitens der Dänen befehligte General de Meza gesamt etwa 30.000 Mann. Es zeichnete sich vorerst ein reiner Landkrieg ab.

Eine der militärischen Maßnahmen der Dänen war jedoch, die Elbemündung und damit Hamburg zu blockieren und die deutsche Handelsschifffahrt lahm zu legen. Österreich stellte damals die einzige größere Seemacht innerhalb des Deutschen Bundes dar, die gegen Dänemark zur See antreten konnte.

Ein österreichisches Geschwader unter Konteradmiral Bernhard von Wüllerstorff-Urbair erhielt den Befehl, von Pola (Pula) mit dem Raddampfer ELISABETH, dem Linienschiff KAISER, der Panzerfregatte DON JUAN d’ AUSTRIA und der Korvette ERZHERZOG FRIEDRICH in die Nordsee auszulaufen.

Gleichzeitig sollte Linienschiffskapitän Wilhelm von Tegetthoff von der Insel Rhodos aus mit den Fregatten SCHWARZENBERG und RADETZKY nach Lissabon abgehen, um sich dort mit dem Geschwader Wüllerstorffs zu vereinigen. Die Ankunft Wüllerstorffs verzögerte sich und so fuhr Tegetthoff weiter, vereinigte sich vor der holländischen Küste mit einem kleinen preußischen Geschwader (Kanonenboote BLITZ und BASILISK und dem Avisodampfer PREUSSISCHER ADLER) und fuhr weiter bis Cuxhaven.

Das dänische Geschwader, das von Kommodore Suenson (Svenson) befehligt wurde, bestand aus den Fregatten NIELS JUEL und JYLLAND und der Korvette HEIMDAL mit insgesamt 102 Geschützen. Zum Vergleich dazu standen auf den beiden österreichischen Fregatten zusammen nur 88 Geschütze und diese zum größten Teil aus veralterten Vorderladern zur Verfügung.

Das Gefecht bei Helgoland am 9. Mai 1864

Als am 9. Mai 1864 die Nachricht kam, dass die Dänen in den Gewässern vor Helgoland kreuzten, gab Linienschiffskapitän Tegetthoff den Befehl auszulaufen und traf im Osten der Insel mit den drei dänischen Schiffen zusammen, die er trotz ihrer Überlegenheit sofort angriff.

Nach etwa zweistündigem Artilleriekampf musste die SCHWARZENBERG nach schweren Treffern, der Fockmast der Fregatte wurde in Brand geschossen, wodurch in der Folge weitere Brände ausgelöst wurden, abdrehen. Tegetthoff befahl der Fregatte RADETZKY und den Preußen ihn zu decken und steuerte das neutrale Helgoland an. Nicht nur die österreichischen Schiffe, auch die NIELS JUEL und die JYLLAND hatten schwer gelitten. Der Kommandant der dänischen Eskadre Kommodore Suenson verfolgte die brennende SCHWARZENBERG nicht, drehte ebenfalls ab und kehrte in seine Heimatgewässer zurück. Die Verluste der Österreicher waren schwer, 37 Tote und 93 Verwundete, die der Dänen 14 Tote und 54 Verletzte. Auf den preußischen Schiffen waren keine Verluste zu beklagen.

Am Abend verließ das österreichisch- preußische Geschwader das neutrale Gebiet Helgoland und traf am nächsten Morgen in Cuxhaven ein.

Brennende Schwarzenberg

Es wurde in der Folge viel darüber geschrieben, wer eigentlich diesen Kampf gewonnen hat. Nun, der Sieg ist eindeutig Tegetthoff zuzuschreiben. Das gesteckte Ziel wurde erreicht, wenn auch seine Schiffe mehr gelitten haben als die dänischen. Die Nordsee und der Handel mit Hamburg waren wieder frei. Diesem ruhmvollen Seegefecht folgte am 12. Mai 1864 ein von England vermittelter Waffenstillstand, der aber nur einige Wochen hielt.

Für die Seekriegsgeschichte war Helgoland von besonderer Bedeutung. Es war dies das letzte größere Gefecht zwischen Holzschiffen und beendete damit eine mehrtausendjährige Geschichte. Tegetthoff selbst wurde in Würdigung seiner hervorragenden Erfolge zum Konteradmiral ernannt. Den gefallenen österreichischen Matrosen wurden in Cuxhaven-Ritzebüttel und in Hamburg-Altona Ehrenmale gesetzt. Einige Tage nach dem Gefecht trafen vor Cuxhaven weitere österreichische Schiffe ein. Diese nun vergrößerte Eskadre schützte die norddeutsche Küste und wirkte bei der Besetzung der Inseln Sylt und Föhr mit.

Der Frieden

Erst nach diesem Erfolg auf See und den Erfolgen der Landstreitkräfte, bei denen auch die österreichischen Truppenkörper unter Führung von Feldmarschallleutnant Freiherr Ludwig von Gablenz hervorragend gekämpft haben, war Dänemark geschlagen. Mit dem am 30. Oktober 1864 abgeschlossenen „Frieden von Wien“ verzichtete Dänemark zugunsten Österreichs und Preußens auf Lauenburg, Schleswig und Holstein.

Nachsatz

Sosehr sich in der dänischen Frage Preußen und Österreich im Sinne des Deutschen Bundes einig waren, so war der gemeinsam erzielte Erfolg gleichzeitig der indirekte Auslöser für den Krieg zwischen Österreich und Preußen zwei Jahre später im Jahre 1866. Die innere Ursache des Krieges lag in dem Wettstreit Österreichs und Preußens um die Vorherrschaft in Deutschen Bund. Die äußere Veranlassung waren die unterschiedlichen Auffassungen über die Verwaltung der Herzogtümer Schleswig und Holstein, um die ja zwei Jahre zuvor gemeinsam gegen Dänemark gekämpft wurde. Österreich war für die Selbstständigkeit der Herzogtümer, Preußen war für die Annektierung derselben.

Die Mehrzahl der norddeutschen Bundesstaaten (mit Ausnahme Hannovers) hielten zu Preußen, die meisten süddeutschen sowie Hannover, Hessen und Sachsen hielten zu Österreich. Alle diplomatischen Bemühungen einen Krieg zu vermeiden schlugen fehl. Gestützt auf den preußisch- italienischen Bündnisvertrag erklärte Preußen Österreich den Krieg.

Die Kampfhandlungen, auf die hier im Einzelnen nicht eingegangen wird, dauerten bis Juni 1866. Die Kriegsschauplätze wie Königsgrätz oder für die Marine Lissa sind allen ein Begriff. Mit dem „Frieden von Prag“ vom 23. August 1866 trat Österreich aus dem Deutschen Bund aus und verpflichtete sich Venetien abzutreten. Schleswig-Holstein fiel an Preußen, das in der Folge seine dominierende Stellung im Deutschen Bund weiter festigte.

Ing. Herbert Reitter MK Salzburg
E-Mail: herbert.reitter@aon.at

Quellen
Horsetzky, Adolf v.: Feldzüge in Europa seit 1792, Wien 1905
Basch-Ritter, Renate und Fuchs, Thomas J: Österreich auf allen Meeren, Geschichte der k. (u.)k. Marine 1382 – 1918

Mayer, Horst Friedrich und Winkler, Dieter: Als die Adria österreichisch war. Österreich-Ungarns Seemacht, Wien 1986

Aichelburg, Wladimir: K. u. K Segelschiffe in alten Fotographien. Wien 1981
Friedrich Wallisch: Wilhelm von Tegetthoff, Wien 1964

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